Rekordpreise sind kein Signal.
Der Goldpreis kratzt an 4.700 Dollar. Silber explodiert gleich mit. Die Schlagzeilen überschlagen sich, Prognosen fantasieren schon von 5.000 Dollar. Ursache angeblich klar: Grönland, Zölle, Trump, geopolitisches Theater. Das ist die übliche Erzählung für Menschen, die immer Gründe brauchen, um überrascht zu sein. Gold steigt nicht, weil etwas passiert. Gold steigt, weil ständig etwas passieren kann. Der aktuelle Konflikt ist kein Auslöser, sondern nur ein weiterer Riss im ohnehin brüchigen System. Heute Grönland, morgen etwas anderes. Wer glaubt, das sei ein Sonderfall, hat die letzten Jahrzehnte verschlafen. Ich erinnere an eine einfache Beobachtung: Fragile Systeme brauchen Ruhe. Robuste Systeme ertragen Stress. Antifragile Systeme profitieren davon. Gold gehört zur letzten Kategorie. Nicht, weil es produktiv ist. Sondern weil es außerhalb des Systems steht, das gerade unter Stress gerät. Die Diskussion um 5.000 Dollar ist dabei fast schon komisch. Als wäre der Preis das Wesentliche. Preise sind Lärm. Das Signal ist ein anderes: Zentralbanken kaufen weiter. Staaten rüsten handelspolitisch auf. Vertrauen wird politisiert. Planungssicherheit wird zur Illusion. Silber treibt das Ganze auf die Spitze. Es ist Absicherung und Industriewerkstoff. Wenn Technologie, Energie und Geopolitik gleichzeitig eskalieren, reagiert Silber nicht linear, sondern überproportional. Genau deshalb ist es volatil. Und genau deshalb ist es unbequem. Und dann ist da noch Platin. Das Metall, das niemand erwähnt, weil es nicht in die einfachen Narrative passt. Zu industriell für die Gold-Fraktion, zu langweilig für die Spekulation. Genau deshalb interessant. Platin leidet unter Konjunktursorgen, profitiert aber von Angebotsengpässen, geopolitischen Risiken in Förderländern und seiner strategischen Rolle in Energie- und Zukunftstechnologien. Ein Metall zwischen Ignoranz und Notwendigkeit. Was wir gerade sehen, ist keine Rally. Es ist eine Anpassung an eine Welt, die unsicherer wird und das dauerhaft. Wer jetzt fragt, wie weit Gold noch steigen kann, stellt die falsche Frage.